Zum Tod von Fritz Hirt:
Die Natur kennt keine Grenzen – und so auch die Naturschutzarbeit

 

Am 17. Juli 2021 haben wir einen ganz grossen Naturschützer verloren. Fritz Hirt hat sich ein Leben lang leidenschaftlich für Vögel, die Natur und ihre Vielfalt eingesetzt. Er war der tiefen Überzeugung, dass wir Menschen sorgsam mit der Erde umgehen sollten. Mit seiner schier grenzenlosen Schaffenskraft hat er viel für den Schutz der Natur erwirkt und viele seiner Weggefährten inspiriert – auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Die Natur kennt keine Grenzen und so engagierte sich Fritz stets für grenzüberschreitenden Naturschutz, auch auf lokaler Ebene: Er schuf den ersten und bisher einzigen kantons-überschreitenden Naturschutzverein. Auch beruflich hat sich Fritz Hirt der Natur verschrieben. Während 31 Jahren leitete er die Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich und baute diese während dieser Zeit kontinuierlich aus. Eines dieser Grundlagenprojekte war das Ornithologische Inventar des Kantons, dem ersten dieser Art in der Schweiz. Unter seiner Ägide verabschiedete die Zürcher Regierung 1991 ein wegweisendes Naturschutzgesamtkonzept – das Opus Magnum der behördlichen Naturschutzarbeit quasi, an dessen Umsetzung heute noch gearbeitet wird.

Auch privat engagierte sich Fritz für die Natur im Kanton Zürich: Als langjähriger Vizepräsident von BirdLife Zürich nutzte er das Naturschutzjahr 1970, um die Bevölkerung für die Anliegen der Natur zu gewinnen. Gezielt steuerte er die Entwicklung des Verbandes und machte den Weg frei, damit aus den ursprünglichen Vogelschutzvereinen breit tätige Naturschutzvereine entstehen konnten.

1977 nahm Fritz Hirt seine nationale Tätigkeit auf. Bereits im ersten Jahr unter seinem Vorsitz publizierte das schweizerische Landeskomitee für Vogelschutz die allererste Rote Liste für gefährdete Arten der Schweiz – jene der Vögel. Dass BirdLife Schweiz heute ein aktiver und breit tätiger Naturschutzverband ist, ist ebenfalls ihm zu verdanken. Er verstand es, die einst so verzettelten Vogelschutzorganisationen zu einen und ihre Kräfte zu bündeln. Auf seine Initiative hin startete 1979 die erste grosse Naturschutzkampagne der Schweiz. Sie beschränkte sich nicht auf Schutzgebiete, sondern umfasste die ganze Landschaft, ja sogar unsere Siedlungen. In diesem Jahr der «Hecken» pflanzten seine Mitstreiter viele Kilometer wertvolle Kleingehölze und Fritz Hirt sorgte dafür, dass man sich danach auch noch gleich um die Pflege der Hochstamm-Obstgärten und um die Waldränder kümmerte. Nach diesen Erfolgen und der Schaffung einer kleinen Geschäftsstelle, war zehn Jahre später ein wichtiges Ziel von Fritz erreicht: Die Gründung eines Nationalen Verbands 1988 – BirdLife Schweiz war geboren.

Auch weltweit gab es ab den 1970er-Jahren für Fritz viel zu tun. 1977 nahm er an den ersten Konferenzen der europäischen Vogelschutzorganisationen teil. Zwar existierte zu dieser Zeit ein internationaler Rat für Vogelschutz, über ein professionelles Sekretariat verfügte dieser jedoch nicht. Tatkräftig arbeitete er mit, um daraus den internationalen Dachverband BirdLife International zu zimmern und 1992 war es soweit: Die Gründung war geglückt und Fritz nahm infolgedessen Einsitz sowohl im Europäischen wie auch im Welt-Vorstand. Die Krönung dieser «Teil-Karriere» war die Ernennung zum Ehrenmitglied von BirdLife International und die Ehrung durch die Prinzessin Takamoto von Japan – ihres Zeichens Ehrenpräsidentin von BirdLife International.

Die Zusammenarbeit mit den Menschen lag Fritz Hirt besonders am Herzen. Auch über kulturelle Grenzen hinweg vermochte er Brücken für die gemeinsame Sache zu bauen. Mit Fritz verlieren wir einen Menschen, dessen Zielstrebigkeit und Schaffenskraft uns als grosse Inspiration in Erinnerung bleiben wird.

Text/Redaktion: Werner Müller, Susanna Hübscher