Generalversammlung - Freitag, 22. März 2019, 20 Uhr



Der vogelfreundliche Garten

Wachsen lassen - Foto: P. Kradolfer

Vom konventionellen zum vogelfreundlichen Garten

 

Für dieses Ziel muss man nicht gleich einen Bagger auffahren lassen. Erster Schritt: lassen Sie wachsen, was von alleine gedeiht, schneiden Sie nicht alles sofort ab und pflegen Sie Teilbereiche nur noch einmal im Jahr und verzichten Sie auf einen Steingarten.

 

Von der Rabatte mit exotischen Sträuchern zur naturnahen Hecke

 

Entfernen Sie die Hälfte der Pflanzen und lassen Sie wachsen, was wächst. Spontan werden sich vor allem Gehölze einstellen, die anspruchslos sind und stark wachsen. Diese werden allmählich die exotischen Sträucher verdrängen. Möchten Sie rascher Ihr Ziel erreichen, dann müssen Sie anpflanzen.



Botanik Grundkurs 2018 im Rafzerfeld erfolgreich abgeschlossen

Botanik Grundkurs 2018 – ein Rückblick

 

Vom frühen Frühling bis zum Spätsommer führte der Natur- und Vogelschutzverein Rafzerfeld einen Grundkurs Botanik durch. An 5 Theorieabenden und 5 Exkursionen je an einem  Samstagmorgen lernten 13 Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer einerseits die je nach Jahreszeit blühenden einheimischen Kräuter als auch die Bäume und Sträucher unserer Wälder und Hecken kennen. Am Anfang stand jeweils das genaue Betrachten und Beschreiben. Lupe und Stereomikroskop erlaubten auch das Erkennen kleinerer Details im Bau der Pflanzen und Blüten. Das zunächst Unscheinbare offenbarte oft kleine Wunder, die uns immer wieder Staunen liessen, wie zum Beispiel der raffinierte Bau der Einzelblüten einer Sonnenblume oder eine Grasblüte. Das Sehen und Staunen ist das Eine, aber dann war das Beschreiben mit den botanischen Fachbegriffen nötig, um anschliessend eine Bestimmung, d.h. Herausfinden des Pflanzennamens durchführen zu können. Dazu nutzten wir sogenannte Bestimmunsschlüssel, sei es in Buchform oder "modern" als App. Dies verlangte oft Durchhaltevermögen und war manchmal auch etwas frustrierend. Aber auch hier gilt: "Übung mach den Meister resp. Meisterin!" Umso grösser dann das Erfolgserlebnis wenn die Mühen zum richtigen, vom Kursleiter bestätigten Resultat führten! Über 100 Pflanzenarten und damit die wichtigsten Pflanzenfamilien mit ihren Merkmalen,  lernten die TeilnehmerInnen im Laufe des Kurses kennen. Aber auch die Lebensräume der betrachteten Pflanzen  mit ihren jeweils speziellen Bedingungen und erforderlichen Anpassungen wurden besprochen.

Wie schaffen es Buschwindröschen und Co im Laubwald vor dem Schatten des Laubdaches auszutreiben und zu blühen - unterirdische Nährstoffspeicher ermöglichen den Vorsprung! Für viele Teilnehmer waren die Exkursionen zum Frühlingswald mit dem frühblühenden Märzenbecher im Wangental und der Besuch der artenreichen, mageren Orchideenwiesen ob Küssnach besonders eindrückliche Höhepunkte. Selbstverständlich war auch der Schutz solch wertvoller Lebensräume und die damit verbundenen Probleme immer wieder Thema engagierter Diskussionen.

Pflanzen sind ja standortgebundene Lebewesen. Dies erfordert spezielle Strategien und Lösungen für die Fortpflanzung und die Ausbreitung. Damit die männlichen Geschlechtszellen zu den weiblichen Eizellen in den Samenlagen finden können setzen unsere Pflanzen v.a. auf die Helfer Wind und Insekten. Es war immer wieder faszinierend, die durch lange Evolutionsprozesse entstandenen entsprechenden Anpassungen der Blüten zu studieren, sei es die federförmigen Narben der unscheinbaren Grasblüte, die exponiert den durch den Wind verbreiteten Pollen auffangen oder die vielfältigen und trickreichen Strategien beispielsweise der Orchideen, um Insekten als "postillion d'amour" einzuspannen. So ahmen Ragwurzarten mit ihren Blüten in Gestalt und Duft Insektenweibchen nach, um blütenstaubbeladene Männchen anzulocken. Aber auch verbreitete Arten wie die Wiesensalbei verblüffen mit ihrem Hebelmechanismus mit dem sie Insekten auf dem Rücken einpudern. Allein all diese Aspekte der Blütenbiologie hätte Stoff für einen ganzen Kurs gegeben! Im Spätsommer sind viele Pflanzen im Stadium des Fruchtens. Einmal mehr liess uns LiebehaberbotanikerInnen die Vielfalt und Raffinesse der Lösungen staunen, welche Pflanzen entwickelt haben für die Ausbreitung ihrer Früchte und Samen! Verblüffend die Zusammenhänge zwischen Ausbreitungsstrategie und Lebensraum in der Natur zu beobachten - so zum Beispiel die Segelfrüchte vieler Laubbäume dem Wind ausgesetzt in luftiger Höhe präsentiert, Krautpflanzen im Waldinnern aber mit den von Ameisen geliebten, fettreichen Samenanhängseln; oder dann die den Vögeln ins Auge springenden leuchtend farbigen Früchte vieler Heckensträucher. So vermittelte der Kurs über das Sommerhalbjahr verteilt viele neuen Einsichten und Kenntnisse und regte zum genauen Beobachten aber auch Staunen über die oft versteckten Schönheiten der Natur an. Als Abschluss genossen wir nach der letzten Exkursion in der Rafzer Forsthütte beim Pizzaessen (wegen Waldbrandgefahr entfiel das Grillieren) den geselligem Austausch.

 

Walter Hauenstein. Kursleiter

 

 

 


Förderung bedrohter Ackerbegleitpflanzen

Kornrade - Foto: N. Lohri

RundblättrigesHasenohr - Foto: N. Lohri

Der Verein Hot Spots starte 2018 mit dem neuen Projekt "Förderung seltener Ackerbegleitpflanzen auf Extensiv-Äckern 2018 - 2023". Gesucht werden in den Kantonen Zürich und Schaffhausen die noch ursprünglichen Populationen bedrohter Ackerbegleitpflanzen wie z.B:

  • Venus-Frauenspiegel
  • Eiblättriges Schlangenmaul
  • Acker-Steinsame

Mehr Informationen finden Sie unterwww.hotspots-verein.ch . Wenn Sie eine spannende Entdeckung gemacht haben, melden Sie sich direkt bei der Projektleitung: Nina Lohri 043 500 38 43 oder nina.lohri@naturschutzbuero.ch

 

 

 

 



Kibitz - Vogel des Jahres 2019

Fast ausgestorben!


Kiebitze brüteten einst in Feuchtwiesen, welche aber fast alle bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts drainiert wurden. Die rund 1000 Brutpaare, die man noch in den Siebzigerjahren zählte, wichen zum Brüten ins Ackerland aus. Damit kamen sie aber vom Regen in die Traufe. Zunehmend wurde die Landbewirtschaftung intensiviert und immer mehr Pestizide gespritzt. Dies führte dazu, dass man 2005 nur noch 83 Brutpaare in der gesamten Schweiz fand. Dank enger Zusammenarbeit zwischen Naturschützenden und Landwirten bei den Nistplätzen erhält der schillernde Vogel wieder eine Chance.

Bereits im Februar treffen die ersten Kiebitze aus ihren Winterquartieren im Mittelmeerraum in der Schweiz ein. Ende März hört man die Balzrufe der Männchen. Der Name Kiebitz kommt von den Rufen: Kiwit it it kiwit. Kiebitze sind Koloniebrüter, d.h. mehrere Brutpaare brüten nahe beieinander. Damit können sie sich z.B. bei der Abwehr von Feinden gegenseitig unterstützen. Mit spektakulären Flügen versuchen die Männchen die Weibchen zu beeindrucken. Sie drehen bis zu neun Mulden am Boden und das Weibchen wählt sich dann die am besten passende Mulde als Nistplatz aus. In das ausgepolsterte Nest legt das Weibchen 3-4 Eier und bebrütet diese 26-29 Tage. Die plüschigen Kiebitzjungen gehen vom ersten Tag an selbständig auf Nahrungssuche und werden vor allem vom Weibchen bewacht und gehudert. Das Männchen versucht, Feinde zu vertreiben. Kiebitzjunge ducken sich in den ersten Wochen bei Gefahr regungslos auf den Boden. Was sich bei natürlichen Feinden bewährt hatte, wird jedoch bei Landmaschinen zur tödlichen Gefahr. Werden zudem die Felder mit Pestiziden behandelt, fehlt auch das nötige Futter in Form von kleinen Insekten oder kleinen Regenwürmern. Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar: In trockenen Zeiten verhungern die Jungen, da im Kulturland viele feuchte Stellen aufgefüllt wurden. Somit gelangen die Jungen nicht an Futtertiere, da sich diese oft bei Hitze in den Boden zurückziehen. 

Zusammenarbeit Landwirte und Naturschützende bringt die Wende


Vor circa 15 Jahren starteten BirdLife Schweiz und die Vogelwarte Sempach verschiedene Schutzprojekte zusammen mit Landwirten und Ehrenamtlichen von BirdLife Schweiz. Die Kiebitze werden nach dem Nestbau grossflächig durch Elektrozäune vor Prädatoren geschützt. In enger Zusammenarbeit mit den Landwirten begleiten Naturschützer alle landwirtschaftlichen Arbeiten, damit weder Eier noch Jungvögel zerstört werden. Mit den Landwirten wird vereinbart, dass sie bei der Mahd von Wiesen ein Mosaik aus geschnittenen und stehengelassenen Grasstreifen schaffen, um den Jungen den Zugang zur Nahrung und Schutz gegen Feinde aus der Luft zu gewähren. Zudem werden Ackerflächen mit feuchten Stellen aufgewertet.

 

Es bleibt noch viel zu tun


Diese Schutzbemühungen leiteten eine Trendwende ein: 2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare, doch ist der Bestand noch zu klein, als dass er sich ohne Massnahmen erhalten könnte. Leider besteht heute immer noch der Trend, dass feuchte Bereiche in Ackerland und Kunstwiesen aufgeschüttet werden. Sie sind aber wertvolle Nahrungsbiotope nicht nur für den Kiebitz. Weitere Wiesenbrüter wie Braunkehlchen, Feldlerchen oder der Wachtelkönig brauchen die Rücksichtnahme der Landwirtschaft ebenfalls zum Überleben. Auch ihre Bestände sind sehr stark rückläufig oder sehr gering. BirdLife Schweiz engagiert sich seit Jahren in Schutzprojekten und für eine Agrarpolitik, welche den Kulturlandarten ein Überleben in unserem Land sichert. 

Quelle: BirdLife Schweiz