Es werde Licht: Die erste Seillinie ist ausgeholzt

Es werde Licht: Die erste Seillinie ist ausgeholzt

Mit einem Seilkran hat der Forstunternehmer «unsere» erste Seillinie im Töbeli in Sternenberg ausgeholzt. Im Minutentakt bringt der Kran erstaunliche Mengen an Bäumen, die entlang der Seillinie gefällt wurden. Zurück bleiben offene Schneisen, die so kurz nach dem Eingriff noch ziemlich radikal wirken, aber so gewollt sind. Gespannt werden wir verfolgen, was wie schnell in den hellen Schneisen spriessen wird: Wie schnell können sich angrenzende Bäume in den Schneisen versamen? Werden da und dort sonnenhungrige Pflanzenarten auftauchen, die nun endlich mehr Licht erhalten? Oder werden Brombeeren diese offenen Flächen in Beschlag nehmen? Je nachdem wird eine Nachpflege dieser ausgelichteten Korridore früher oder später fällig werden. Im Lauf der nächsten Winter wird das Holzen auf den Seillinien zwei bis fünf folgen und so nach und nach einen Lebensraum schaffen, den wir anstreben: Offene, struktur- und randlinienreiche Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland. Damit typische Tagfalter, geheimnisvolle Fledermäuse und selten gewordene Vögel wieder mehr Lebensraum erhalten.


Das Projekt in Sternenberg ist eines von zwei Pilotvorhaben, das wir im Kanton umsetzen. Das andere Projekt setzen wir in Bauma um. Wir sind gespannt, wie sich die Massnahmen entfalten und ob wir diese Art von Eingriffen an weiteren Standorten anwenden können.

Weder Wald noch Wiese

Weder Wald noch Wiese

Heute verläuft die Grenze zwischen Wald und Wiese abrupt, messerscharf; oft geht eine Wiese ansatzlos in geschlossenen Wald über. Brutvögel der Übergänge zwischen Wald und Kulturland verschwinden zunehmend aus unserem Kanton. Die Bestände der Arten der offenen, von Licht durchfluteten Wälder und der fliessenden Übergänge zwischen Offenland und Wald haben stark abgenommen oder stagnieren auf tiefem Niveau. Arten wie Gartenrotschwanz, Fitis, Wendehals, Wiedehopf oder Grauspecht sind Beispiele von selten gewordenen Arten, die auf offenere Wälder angewiesen wären, um stabile und genügend grosse Bestände zu bilden.


Diesen fast verschwundenen Lebensraum wollen wir nun konkret fördern. Am ersten Projektstandort ist es bald soweit: Die erste Seillinie im Töbeli Sternenberg wird diesen Winter ausgeholzt. Das Auffahren des Seilkrans markiert somit den Startschuss des Lebensraumprojekts, das den Bereich zwischen geschlossenem Wald und offener Kulturlandschaft in Szene setzt. Im Töbeli Sternenberg haben wir dank Revierförster Rolf Stricker und Waldbesitzer Peter Rufibach die Möglichkeit, über sechs Jahre hinweg fünf Seillinien zu legen und entlang dieser zwischen 30 und 60 Prozent des Holzbestands zu entnehmen. Dabei werden Biotopbäume, Specht- und Horstbäume sowie seltene Arten geschont und da und dort auch Totholzbäume stehen gelassen. Im Kulturland tragen Hochstamm-Obstbäume und Heckenelemente dazu bei, die Grenze zwischen Wald und Offenland struktur- und artenreich aufzulösen.


Natürlich ist einige Dynamik im Lebensraum: Ohne regelmässige, dem Standort angepasste Nachpflege würden schnell wachsende und nicht erwünschte Baumarten schnell wieder Überhand nehmen. Oder Brombeeren, mit denen wohl jede/r NaturschützerIn bei Pflegeeinsätzen schon zu kämpfen hatte. Daher werden die ausgeholzten Korridore gerade auch im Hinblick auf Neophyten beobachtet, um so bei Bedarf rechtzeitig wieder eingreifen zu können. In der Nachbarschaft des Töbeli ist auch der Verein Schmetterlingsförderung aktiv. Mit Auslichtungen und Waldrand-Aufwertungen werden ebenfalls hochwertige Lebensräume, primär zu Gunsten der Tagfalter, geschaffen. Diese spannenden Massnahmen ergänzen wir im Gebiet mit unserem Projekt, das in dieser Eingriffstiefe von mehreren hundert Metern im Wald so bisher noch nicht umgesetzt worden ist.


Wird sich eines Tages der Baumpieper wieder blicken lassen? Oder werden wir dereinst die Fransenfledermaus beim Jagen nachweisen können? Werden dem Frühlingsscheckenfalter die neuen Habitatstrukturen gefallen? Auf jeden Fall danken wir Revierförster Stricker und Grundbesitzer Rufibach für die Zusammenarbeit – wir sind gespannt.

Fünf vor zwölf für die Feldlerche

Fünf vor zwölf für die Feldlerche

Die Feldlerche droht aus dem Kanton zu verschwinden – dies das vorläufige Fazit aus dem Monitoring, welches BirdLife Zürich und der Kanton in Auftrag gegeben haben. Es wurde im Rahmen eines Zusatzprojekts zum Avimonitoring im April/Mai 2017 durchgeführt. Die Resultate lassen aufhorchen:
•     Von 257 im Jahr 2008 besetzten Landschaftsräumen von je rund 50 ha Grösse waren 2017 noch 105 besetzt. Das entspricht einer Abnahme um 60%
•     Die Anzahl Reviere nahm um über 50% ab, von 493 auf 226 Brutpaare
Höchste Zeit für Gegensteuer: Bereits seit einigen Jahren ist der Andelfinger Naturschutzverein daran, in den (noch verbleibenden) Schwerpunktgebieten der Art im Weinland gezielte Fördermassnahmen umzusetzen. Der Verein setzt dabei auf eine enge Beratung der Landwirte und übernimmt auch angemessene Prämien für solche Bauern, die sich mit Massnahmen beteiligen.


Diese Vorgehensweise scheint zu diesem Zeitpunkt das einzige adäquate Mittel für die Feldlerche zu sein. BirdLife Zürich darf sich die Methode zu Nutze machen und von den Erfahrungen des Andelfinger Projekts profitieren. In Stadel und in der Region Steinmaur-Wehntal lanciert BirdLife Zürich zwei Feldlerchenprojekte, die auf dem Andelfinger System basieren. Eine zentrale Funktion haben unsere lokalen VertreterInnen der Naturschutzvereine: Sie nutzen ihr lokales Netzwerk, um Bauern für ein Mitmachen zu gewinnen. Zum Teil beraten sie die Landwirte auch selber zu möglichen Massnahmen. Das sind unter anderem die bekannten Biodiversitäts-Förderflächen wie Bunt- und Rotationsbrachen, aber auch Massnahmen auf den Äckern selber wie Lerchenfenster oder weite Reihen im Getreide. Ziel ist, ein möglichst dichtes Netz an geeigneten Strukturen und Kulturen für die Feldlerche zu schaffen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass vereinzelte Lerchenfenster oder verstreute Massnahmen alleine nicht den gewünschten Erfolg für die Lerche bringen.
Das Pilotjahr der Projekte finanziert neben anderen die Fachstelle Naturschutz. Der Kanton unterstreicht damit seine Verantwortung für die Feldlerche, welche er damit wahrnehmen will. Die aktuelle Bestandeserhebung dient den Projekten als Grundlage.


Hoffen wir, dass es im Fall unserer Feldlerche mit der Förderung noch nicht zu spät ist. In zahlreichen anderen Fällen der Artenförderung sind Fördermassnahmen zu spät gekommen, nämlich dann, wenn der Restbestand bereits unter eine kritische Grenze gefallen war. Ob es im Fall der Feldlerche eine solche gibt, und wo diese liegt, wissen wir nicht. Sicher ist: Ohne sofortige Massnahmen wird ihr wunderbarer Gesang in absehbarer Zeit im Kanton Zürich nicht mehr zu hören sein.

 

 

Blumiges Leben zwischen den Reben...

Blumiges Leben zwischen den Reben...

Das Projekt «Kulturlandschaft Burghölzli» des WWF der Stadt Zürich bildet den Rahmen für die Rebberg-Aufwertungen am Burghölzli-Hügel. Grün Stadt Zürich als Grundbesitzerin finanziert einen Grossteil des Vorhabens. Eine der geplanten Massnahmen zielt darauf ab, aus den artenarmen Fahrgassen zwischen den Rebreihen blüten- und artenreiche Streifen zu machen. Dabei ist von zentraler Bedeutung, dass die künftige Bewirtschaftung des Streifens ins Konzept passt: Zeitpunkt, Rhythmus und die für die Pflege nötigen Maschinen müssen zum Betrieb passen. Zu diesem Zweck hat BirdLife Zürich den Experten Johannes Burri beauftragt, in Absprache mit Weinbauer Zeljkovic eine massgeschneiderte Samenmischung zusammenzustellen. Dieser hat das Saatbett in den Fahrgassen vorbereitet, das Erdreich sich setzen lassen und angesät. Wir sind sehr gespannt, ob und wie sich der gewünschte Blütenreichtum entwickeln wird. Als Knacknuss erweist sich der Standort der geplanten Trockenmauer-Elements: sowohl landschaftsästhetisch als auch statisch muss das Bauwerk hohen Ansprüchen genügen. Da bisher keine befriedigende Lösung gefunden wurde, ist ein alternativer Standort in Diskussion, bei dem die ökologische Wirkung der Mauer im Vordergrund steht.

...und Bestäuberzvieri im Obstgarten

Der Rebbaubetrieb Strauss in Rickenbach ist als Bio-Betrieb bestrebt, Natur und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen. Im Rahmen eines «Vögel im Aufwind»-Projekts sollen Rebflächen, Obstgärten und weitere Flächen mit Strukturen, Einsaaten und Pflanzungen einen Mehrwert für Flora und Fauna der trockenen und warmen Lebensräume bringen.
Wildbienen spielen für die Bestäubungsleistung von Obst eine wichtige Rolle. Um sie zu fördern, brauchen sie nicht nur Nistgelegenheiten in Form von grabbarem Bodensubstrat oder Altholz, sondern auch ein entsprechendes Futterangebot. Spezialisten unter den Wildbienen sind auf eine einzige Blumenart als Pollenquelle angewiesen, Generalisten können sich auf verschiedenen Pflanzenarten ernähren. Mit einem breiten Spektrum an Blumenarten lässt sich also auch eine grosse Palette an möglichen Bestäubern fördern. Zu diesem Zweck hat Landwirt Strauss aus Rickenbach einige Streifen zwischen den Obstbäumen mit einer speziellen Bestäubermischung angesät. Falls frostbedingt die Obsternte dürftig ausfällt, so profitiert doch die Vielfalt von den Einsaten.

 

 

Engagement für naturnahe Rebberge geht weiter

Engagement für naturnahe Rebberge geht weiter

Auch unter dem Dach der neuen Kampagne «Vögel im Aufwind» wird BirdLife Zürich mehr Natur in die Reben bringen. Die aktuellsten Vorhaben sind in der Stadt Zürich und in Rickenbach in Entstehtung. Der Burghölzlihügel als Oase der Vielfalt steht im Fokus des Projekts «Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli» der WWF Regionalgruppe Zürich. BirdLife Zürich hat in diesem Rahmen die Möglichkeit, mit anderen Partnern zusammen die Rebberge des Burghölzli mit Strukturen aufzuwerten. Die Umsetzung der Massnahmen erfolgt voraussichtlich im kommenden Frühling.


In Rickenbach bereiten wir ein weiteres Projekt vor: Auf den Flächen der Familie Strauss lassen sich spannende Lebensräume schaffen. Insbesondere in den Fahrgassen zwischen den Reben und den Hochstamm-Obstbäumen sollen blütenreiche Streifen einerseits die Wildbienenfauna stärken und gleichzeitig die Bestäubung dieser Obstbäume sichern. Die ersten Ideen sind vielversprechend und wecken Lust auf mehr – noch ist es aber ein langer Weg zur Verwirklichung. Wir bleiben dran!