«Lebensnetz Zürich» – Naturförderung auf drei Ebenen

«Lebensnetz Zürich» ist die aktuelle Naturschutzkampagne von BirdLife Zürich. Sie dauert bis 2024 und ergänzt die Umsetzung des Naturschutz-Gesamtkonzepts NSGK des Kantons Zürich. Das Projekt gliedert sich in drei Ebenen, die geographisch durch die lokalen Naturschutzvereine, die Regionalgruppen dieser Vereine und den Kantonalverband BirdLife Zürich «repräsentiert» werden. Auf jeder dieser Ebenen werden konkrete Projekte realisiert: Auf der kantonalen Ebene werden Pilotprojekte umgesetzt, Themen-Netzwerke geschaffen und Kapazitäten für die Realisierung von lokalen Naturschutzprojekten aufgebaut. Die regionale Stufe setzt den Fokus auf landschaftsräumliche Wirksamkeit: Im Verbund mit mehreren Naturschutzvereinen setzt BirdLife Zürich auf landschaftlich sinnvollem Massstab Projekte um. Die lokalen Naturschutzvereine in den Gemeinden sind die Hauptakteure auf der lokalen Ebene. Inhaltliche Schwerpunkte sind «Breite Übergänge Wald – Kulturland», Gebäudebrüter und Rebbergvögel.


Der Kanton Zürich profitiert so in mehrfacher Hinsicht: Die Kampagne trägt zu den Naturschutzzielen des Kantons bei und mobilisiert zudem Personen aus Naturschutz-Netzwerk dafür. Über diese motivierten Personen in aktiven Vereinen wird die Biodiversitätsförderung in jede Ecke des Kantons gebracht. Die Kommunikation von «Lebensnetz Zürich» wird auf die nationale Kampagne von BirdLife Schweiz «Lebensnetz für die Schweiz – ökologische Infrastruktur – Vernetzung» abgestimmt. Finanziert wird die Kampagne über einen Beitrag des Lotteriefonds, von Stiftungen und Gemeinden sowie Eigenleistungen von BirdLife Zürich und seinen Naturschutzvereinen.

 

 

Die Pflegearbeiten gehen in die zweite Runde

Die Pflegearbeiten gehen in die zweite Runde

Mit der zweiten Runde der Pflegearbeiten in der Hundschilen im November 2021 geht das Projekt zu den Breiten Übergängen zwischen Kulturland und Wald weiter. Inn den Seilschneisen fällt nun viel mehr Licht auf den Boden, was einerseits den lichtbedürftigen Blumen mehr Lebensraum ermöglicht. Anderseits profitiert auch die Strauchschicht von der neuen Helligkeit. Darunter sind sowohl eher selten anzutreffende Arten wie Weissdorn, Geissblatt udn Schneeball, aber auch Jungwuchs der am häufigsten vorkommenden Buchen. Dieser Aufwuchs wird nun periodisch zurückgedrängt, um den seltenen, Beeren tragenden Sträuchern mehr Licht und Platz zu verschaffen. Eine selektive Nachpflege, die auch in den kommenden Jahren weitergehen wird. Auf der angrenzenden Rinderweide werden - zusätzlich zu den bisherigen
Hecken und Strauchelementen - einige Wildrosen in dichten Gruppen gepflanzt, sodass dornenreiche Busch-Strukturen entstehen, welche unter anderem sichere Brutplätze für einige Vogelarten bieten. Rund um die gepflanzten Hecken haben sich üppige Brennnessel-Fluren gebildet, diese sind wichtige Nahrungspflanzen für zahlreiche Tagfalterarten und werden
daher nur dort sanft zurückgeschnitten, wo sie das Aufwachsen der Heckenpflanzen verhindern. Der Verein NaturschutzSozial ist mehrere Tage mit wachem Auge, guten Artenkenntnissen und effektiven Schnittgeräten im Gebiet aktiv und wirkt so in Richtung der angestrebten Lebensräume in der Hundschilen.

Höhlenangebot für Lebensraum-Pendler

Höhlenangebot für Lebensraum-Pendler

Die Ansprüche an Übergangsbereiche zwischen Offenland und Wald sind bei vielen Fledermausarten noch unerforscht. Ganz grundsätzlich ist ein Mosaik verschiedener Waldrandtypen und Waldtypen zu erhalten und zu fördern, um den vielen Arten gerecht zu werden, die den Wald oder Waldrand als Jagdlebensraum nutzen. Im Projekt Breiter Übergang Wald - Kulturland in der Hundschilen Bauma sind Fledermäuse eine Zielartengruppe: hier hat BirdLife Zürich in Zusammenarbeit mit den Zürcher kantonalen Beauftragten für Fledermausschutz das Braune Langohr und die Fransenfledermaus als Zielarten definiert.

 

Die Projekt-Massnahmensollen sowohl Quartiere als auch Jagdräume schaffen für diese beiden Arten, die in der mittleren Umgebung bereits vorkommen. Zu diesen Massnahmen im Wald gehört neben dem Auslichten von Korridoren auch ein Angebot von Höhlen, die an geeigneten Orten aufgehängt werden. Sowohl das Braune Langohr als auch die Fransenfledermaus können Baumhöhlen als Quartiere nutzen und sind daher auf ein grosszügiges Höhlenangebot angewiesen. Wo solche natürlichen Höhlen, also z.B. ehemalige Spechthöhlen, fehlen oder noch zu spärlich vorhanden sind, macht die Montage von Fledermauskästen Sinn.

 

Ende September 2021 haben die beiden kantonalen Fledermaus-Beauftragten mit René Brunner vom NV Neftenbach und Mathias Villiger von der Geschäftsstelle von BirdLife Zürich zusammen 21 Nistkästen in den ausgelichteten Waldschneisen montiert. Dabei kamen Kästen mit Zwischenwänden für Spalten-bewohnende Arten und solche mit ungeteiltem Hohlraum für Höhlen-bewohnende Arten zum Einsatz. Auch eine grösser dimensionierte Überwinterungshöhle wurde aufgehängt.

 

Im Lauf des Frühjahrs werden die Kästen dann wiederum mit der Leiter auf ihre Besetzung hin kontrolliert. Gut möglich, dass die eine oder andere Zielart den Weg in die Quartiere bis dann gefunden haben wird. Im Sommer 2021 wurden bereits einige Batlogger, welche die Rufe der jagenden Fledermausarten aufnimmt, montiert. Diese Aufnahmen harren derzeit noch ihrer Auswertung, um Aussagen darüber zu kriegen, welche Arten die neu entstandenen Schneisen und Offenlandbereiche nutzen.

 

 

Neue Heimat für<br>Wasserskorpione, Libellen, Kaulquappen und Ringelnattern

Neue Heimat für
Wasserskorpione, Libellen, Kaulquappen und Ringelnattern

Der Weiher im Verbands-eigenen Schutzgebiet Mulflen in Bachs ist in den letzten Jahren durch den Eintrag von Feinsediment zunehmend verlandet. Zusätzlich ist der Damm, welcher den Weiher einstaut, undicht geworden. BirdLife Zürich hat sich als Besitzerin zum Ziel gesetzt, mit einer Sanierung den Zustand des Weihers zu verbessern und diesen wieder zu einem funktionierenden Laichgewässer für Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch zu machen: Mit dem Bagger wird das alte Becken von Sediment befreit und eine neue Wanne modelliert, die auch wertvolle Flachwasserzonen umfasst. Bald schon wird sich der Lebensraum in der Mulflen in neuem «Glanz» präsentieren und dann hoffentlich den Wasserskorpionen, Libellen, Kaulquappen und Ringelnattern eine neue Heimat bieten.

 

 

Vom Weinberg zur vielfältigen Kulturlandschaft

Vom Weinberg zur vielfältigen Kulturlandschaft

In Flaach ist Weinbauer Ueli Kilchsperger daran, seine Traubenproduktion auf Bio umzustellen. Dabei will er nicht nur auf synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten, sondern auch die Biodiversität in seinen Reben fördern. Über unsere Regionalgruppenleiterin Sophie Baumann haben wir den Kontakt hergestellt, erste Diskussionen geführt und Vorschläge für Lebensraum-Strukturen beschlossen. Die bewährte Zusammenarbeit zwischen Weinbauer, lokalem Naturschutzverein und BirdLife Zürich wird auch hier eine Fortsetzung finden.

 

 

Ein Strauss von Massnahmen für den Wald

Ein Strauss von Massnahmen für den Wald

Weinbauer Jürg Strauss kennen wir von unserem gemeinsamen Rebberg-Projekt in Rickenbach her. Im aktuellen Projekt wertet er auch seinen Wald auf: Mit dem Förster zusammen hat er Biotopbäume ausgeschieden und wird einen Wassergraben so einstauen, dass Unkentümpel entstehen. Am Waldrand hat er mehrere Kleinstrukturen zwischen den Hochstamm-Obstbäumen angelegt: die Kombination von Astmaterial und Lesesteinen ist ein willkommener Unterschlupf für Kleintiere. Im Winter werden zwecks Aufwertung des Waldrands selektiv einige häufige Bäume entnommen und so die Strauchschicht mit Licht und Platz gefördert. Das anfallende Holzmaterial wird wiederum für Kleinstrukturen im Übergangsbereich hin zur offenen Ackerfläche verwendet.

 

 

Leben zwischen Feld und Wald in Wermatswil

Leben zwischen Feld und Wald in Wermatswil

BirdLife Zürich hat dem Schwerpunkt «Breite Übergänge Wald – Kulturland» das Ziel, die Vielfalt an Arten zu fördern, welche vom Lebensraum am Übergangsbereich zwischen Wald und Kulturland abhängig sind. In Wermatswil auf dem Land der Familie Sägesser arbeiten wir an einem solchen strukturreichen Lebensraum zwischen Wald und Offenland: es werden Waldbereiche, Waldränder und das angrenzende Kulturland  mit verschiedensten Massnahmen ökologisch aufgewertet werden, um struktur- und artenreiche, verzahnte und mosaikartige breite Übergangsbereiche zu erhalten.

 

In diesem Frühjahr sind erste Umsetzungen im Kulturland erfolgt: wärmebegünstigte Stein- und Sandstrukturen, Ruderalflächen im Obstgarten, Asthaufen, Steinlinsen und magere Kraustäume sind entstanden. Flankiert werden die Massnahmen von verschiedenen Nisthilfen für die verschiedenen Zielarten der Vögel und Unterschlüpfe für Fledermäuse.

 

Die weitere Finanzierung ist im Gang, wir hoffen, im Spätherbst auch die Aufwertungen am Waldrand und im Wald umsetzen zu können. Am Projekt beteiligen sich bisher die Familie Sägesser, die Gesellschaft für Natur und Vogelschutz Uster GNVU, die Stadt Uster, der kantonale gemeinnützige Fonds und BirdLife Zürich.

 

 

Ein Haus für Schwalben auf der Forch

Ein Haus für Schwalben auf der Forch

Seit mehreren Jahren brüten zahlreiche Mehlschwalbenpaare an einem Privathaus auf der Forch. Dabei besiedeln die Vögel nicht nur fensterlose Fassadenabschnitte, sondern auch heiklere Fronten und strapazieren so zunehmend die Nerven der Hausbesitzer. In einer gemeinsamen Aktion zwischen Besitzer, lokalem Naturschutzverein, der Gemeinde und BirdLife Zürich wurde nun vereinbart, dass die heiklen Fassadenfronten abgesperrt werden und stattdessen ein Schwalbenhaus als Ersatz angeboten wird. Vor gut zwei Wochen wurde das Schwalbenhaus nun aufgestellt und mit einer Anlockvorrichtung versehen. Wir hoffen auf eine baldige Besiedlung und danken allen Beteiligten herzlich!

 

 

Aescher Glögglifrosch-Weiher eingeweiht

Aescher Glögglifrosch-Weiher eingeweiht


Der NVV Lerche Aesch hat am Aescherbach zusätzlichen Lebensraum für die Geburtshelferkröte geschaffen: mit einem Weiher, der auch dem Fadenmolch und der Gelbbauchunke dient. In einem Gemeinschaftsprojekt zwischen Gemeinde, BirdLife Zürich und dem Naturschutzverein hat Werner Hauenstein ein ablassbares Amphibiengewässer geschaffen, das im Herbst jeweils entleert und somit von Fressfeinden der Amphibien befreit werden kann.

 

 

Es wird wieder für Licht gesorgt

Unsere Projekte am Übergang zwischen Wald und Feld gehen weiter: in Wermatswil planen wir, mit welchen Massnahmen wir den Übergang zwischen dem extensiven Offenland hin zum geschlossenen Wald strukturreich gestalten wollen. Zu diesem Zweck konnten wir mit dem Stadtförster die Massnahmen im Wald definieren und die Bereiche anzeichnen, die ausgeholzt werden, welche Bäume geschont und als Biotopbäume stehen bleiben und wo der künftige Laubfrosch-Teich entstehen soll.

 

 

Selektive Nachpflege am Waldrand

Selektive Nachpflege am Waldrand

 

In den Hundschilen in Bauma wurden in den letzten Monaten entlang von vier Seillinien Bäume entnommen und so Platz und Licht im Wald geschaffen. Das angrenzende Offenland konnte strukturreich gestaltet werden: Gebüschgruppen aus Wildrosen, dornenreiche Hecken mit verschlungenen Asthaufen und einige Hochstammobstbäume bereichern den Bereich, den wir als übergang zwischen offenem Kulturland und geschlossenem Wald anstreben.

 

Beim Augenschein nach den abgeschlossenen Holzereiarbeiten wurde klar, dass bereits in diesem Winter ein Pflegeeingriff erfolgen soll: liegendes Astholz als Überbleibsel der Holzerei soll von den besonders mageren und lichten Standorten entfernt und an schattigen Stellen aufgeschichtet werden. Rasch wachsende Jungbäume und der Aufwuchs von häufigen und schnellwachsenden Sräuchern werden bereits entfernt, um Platz zu schaffen für die seltenen Arten. Da und dort wird auch die Grasschicht niedrig gehalten, um den Blütenpflanzen, welche nun erstmals genügend Licht haben, eine Chance zu geben.

 

Die Pflegearbeiten sind mindestens so wichtige wie die anfänglichen Holzerei-Arbeiten und werden in den nächsten Jahren je nach Bedarf und örtlich selektiv weiter geführt.

 

 

Hecken zur Pflege gesucht

Hecken zur Pflege gesucht

 

Gesucht sind Hecken, die mit einem geübten Blick und zielgerichtetem Einsatz zu wertvoll(er)en Lebensräume verwandelt werden können.

Die Heckengruppe von BirdLife Zürich bietet Beratung und tatkräftige Unterstützung bei:


  • der Pflege von verwahrlosten, schwierigen Hecken mit Potenzial

  • der Aufwertung von Hecken mit Kleinstrukturen, seltenen Sträuchern, etc.

  • der Beratung zur zielgerichteten Pflege

  • Heckenpflanzungen




Folgende Bedingungen setzen wir dabei voraus:


  • ein*e motivierte*r Bewirtschafter*in (Bauer, Privater, Werkhof) kann die Pflege längerfristig und regelmässig sicherstellen

  • der beteiligte Verein darf sich auch künftig mit Vorschlägen zur Pflege einbringen

  • der/die Bewirtschafter*in beteiligt sich beim Einsatz mit einer Eigenleistung: sei es mit Arbeit oder Maschineneinsatz, mit einer Verpflegung oder auch mit einem finanziellen Beitrag


Wir vermitteln gerne Leute aus der Heckengruppe für Projekte mit einem motivierten Verein und Bewirtschafter. Interessierte melden sich bei Mathias Villiger, mathias.villliger[at]birdlife-zuerich.ch oder per Tel. 044 461 65 60

Nach dem Holzen das Aufräumen

Nach dem Holzen das Aufräumen

 

In den Hundschilen in Bauma wurden in den letzten Monaten entlang von 4 Seillinien Bäume entnommen und so Platz und Licht geschaffen. Parallel dazu sind im Offenland Strukturen wie artenreiche Hecken, Asthaufen und Hochstammobstbäume entstanden. Nun geht es darum, die Nachpflege als essentiellen Bestandteil des Projekts zu organisieren: Heckensträucher, welche die trockenen Frühling nicht überlebt haben, werden ersetzt, Astmaterial von den Holzereiarbeiten wird aus den mageren Standorten entfernt und zu Totholzhaufen geschichtet und bereits werden erste raschwüchsige Straucharten in den offenen Bereichen zurückgeschnitten, um einerseits seltene Sträucher und die Krautschicht mit lichtbedürftigen Blumen und Gräsern zu fördern.

 

 

Blühender Rebberg

 

Dass Fahrgassen in Rebbergen nicht nur artenarm und kurz gemulcht sein müssen, lässt sich aktuell im Hengstbüel in Oberstammheim beobachten. Hier hat BirdLife Zürich zusammen mit Rebbauer Strasser in diesem Frühjahr zahlreiche Massnahmen zur ökologischen Aufwertung des Rebbergs durchgeführt. Steinstrukturen, Dornsträucher, zwei Trockenmauern und artenreiche Einsaaten lassen neue Lebensräume entstehen und das Leben im Rebberg spriessen. Wir sind gespannt, welche botanischen oder faunistischen Überraschungen noch auftauchen werden!

 

 

Lichtkorridore im Baumer Wald

Lichtkorridore im Baumer Wald

 

Der Grossteil der Massnahmen des Projekts zur Schaffung von breiten übergangsbereichen zwischen Wald und Offenland in der Hundschilen in Bauma ist umgesetzt. Mehrere Schneisen, in denen zum Teil umfangreich ausgelichtet wurde, sind entstanden. 

 

Auf einem Streifzug mit Annabarbara Gysel vom Toessthaler haben Förster Jürg Küenzi und Mathias Villiger von BirdLife Zürich das Projektgebiet begutachtet und die verschiedenen Massnahmen erläutert. Ein viel versprechender Lebensraum entsteht. Jetzt gilt es, dessen weitere Entwicklung im Auge zu behalten und zu gegebener Zeit gezielte Pflegemassnahmen in Angriff zu nehmen.

 

Zum Text im «Toessthaler» vom 5. Juni 2020 (PDF, 345 Kb)

 

 

Ökologische Aufrüstung in Bauma

Ökologische Aufrüstung in Bauma

Revierförster Küenzi bespricht mit Projektleiter Villiger die Holzereimassnahmen und die Koordination mit den künftigen Aufwertungen auf der Wiese. Es ist Februar 2019. Wir haben das zweite Pilotprojekt im Grenzbereich zwischen Wald und Kulturland in Bauma am Laufen: in den Hundschilen wird aktuell mit einer Seillinie geholzt mit dem Ziel, offene und lichte Bereiche im bisher dichten Wald zu schaffen. Komplementär dazu wird das Kulturland ökologisch aufgerüstet: Mit der Pflanzung von Hochstämmern, artenreichen Hecken und einigen Kleinstrukturen soll auch das Offenland vielfältiger werden. Diese Massnahmen müssen in enger Absprache mit dem Bewirtschafter und dem Revierförster geplant werden. Nur wenn sie auch in die Bewirtschaftung des Landwirtschaftsbetriebs passen, werden sie auch längerfristig ihre Funktion als Horte der Vielfalt erfüllen können. Sind die Pflanzungen mal erfolgt, sollen sie sich in Kombination mit dem offenen Wald zu einem Übergangs-Lebensraum entwickeln, wo die Grenzen zwischen Wald und Offenland verschwimmen und mosaikartig unterschiedlichste Nischen bietet.


Das andere Projekt, jenes im «Töbeli» in Sternenberg, geht dieses Jahr bereits in die zweite Runde. Die Crew von «Bachmann Forst» der hat Ende Januar die 2. Seillienie in Angriff genommen.

Es werde Licht: Die erste Seillinie ist ausgeholzt

Es werde Licht: Die erste Seillinie ist ausgeholzt

Mit einem Seilkran hat der Forstunternehmer «unsere» erste Seillinie im Töbeli in Sternenberg ausgeholzt. Im Minutentakt bringt der Kran erstaunliche Mengen an Bäumen, die entlang der Seillinie gefällt wurden. Zurück bleiben offene Schneisen, die so kurz nach dem Eingriff noch ziemlich radikal wirken, aber so gewollt sind. Gespannt werden wir verfolgen, was wie schnell in den hellen Schneisen spriessen wird: Wie schnell können sich angrenzende Bäume in den Schneisen versamen? Werden da und dort sonnenhungrige Pflanzenarten auftauchen, die nun endlich mehr Licht erhalten? Oder werden Brombeeren diese offenen Flächen in Beschlag nehmen? Je nachdem wird eine Nachpflege dieser ausgelichteten Korridore früher oder später fällig werden. Im Lauf der nächsten Winter wird das Holzen auf den Seillinien zwei bis fünf folgen und so nach und nach einen Lebensraum schaffen, den wir anstreben: Offene, struktur- und randlinienreiche Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland. Damit typische Tagfalter, geheimnisvolle Fledermäuse und selten gewordene Vögel wieder mehr Lebensraum erhalten.


Das Projekt in Sternenberg ist eines von zwei Pilotvorhaben, das wir im Kanton umsetzen. Das andere Projekt setzen wir in Bauma um. Wir sind gespannt, wie sich die Massnahmen entfalten und ob wir diese Art von Eingriffen an weiteren Standorten anwenden können.

Weder Wald noch Wiese

Weder Wald noch Wiese

Heute verläuft die Grenze zwischen Wald und Wiese abrupt, messerscharf; oft geht eine Wiese ansatzlos in geschlossenen Wald über. Brutvögel der Übergänge zwischen Wald und Kulturland verschwinden zunehmend aus unserem Kanton. Die Bestände der Arten der offenen, von Licht durchfluteten Wälder und der fliessenden Übergänge zwischen Offenland und Wald haben stark abgenommen oder stagnieren auf tiefem Niveau. Arten wie Gartenrotschwanz, Fitis, Wendehals, Wiedehopf oder Grauspecht sind Beispiele von selten gewordenen Arten, die auf offenere Wälder angewiesen wären, um stabile und genügend grosse Bestände zu bilden.


Diesen fast verschwundenen Lebensraum wollen wir nun konkret fördern. Am ersten Projektstandort ist es bald soweit: Die erste Seillinie im Töbeli Sternenberg wird diesen Winter ausgeholzt. Das Auffahren des Seilkrans markiert somit den Startschuss des Lebensraumprojekts, das den Bereich zwischen geschlossenem Wald und offener Kulturlandschaft in Szene setzt. Im Töbeli Sternenberg haben wir dank Revierförster Rolf Stricker und Waldbesitzer Peter Rufibach die Möglichkeit, über sechs Jahre hinweg fünf Seillinien zu legen und entlang dieser zwischen 30 und 60 Prozent des Holzbestands zu entnehmen. Dabei werden Biotopbäume, Specht- und Horstbäume sowie seltene Arten geschont und da und dort auch Totholzbäume stehen gelassen. Im Kulturland tragen Hochstamm-Obstbäume und Heckenelemente dazu bei, die Grenze zwischen Wald und Offenland struktur- und artenreich aufzulösen.


Natürlich ist einige Dynamik im Lebensraum: Ohne regelmässige, dem Standort angepasste Nachpflege würden schnell wachsende und nicht erwünschte Baumarten schnell wieder Überhand nehmen. Oder Brombeeren, mit denen wohl jede/r NaturschützerIn bei Pflegeeinsätzen schon zu kämpfen hatte. Daher werden die ausgeholzten Korridore gerade auch im Hinblick auf Neophyten beobachtet, um so bei Bedarf rechtzeitig wieder eingreifen zu können. In der Nachbarschaft des Töbeli ist auch der Verein Schmetterlingsförderung aktiv. Mit Auslichtungen und Waldrand-Aufwertungen werden ebenfalls hochwertige Lebensräume, primär zu Gunsten der Tagfalter, geschaffen. Diese spannenden Massnahmen ergänzen wir im Gebiet mit unserem Projekt, das in dieser Eingriffstiefe von mehreren hundert Metern im Wald so bisher noch nicht umgesetzt worden ist.


Wird sich eines Tages der Baumpieper wieder blicken lassen? Oder werden wir dereinst die Fransenfledermaus beim Jagen nachweisen können? Werden dem Frühlingsscheckenfalter die neuen Habitatstrukturen gefallen? Auf jeden Fall danken wir Revierförster Stricker und Grundbesitzer Rufibach für die Zusammenarbeit – wir sind gespannt.

Finanziert wird die Kampagne über einen Beitrag des Lotteriefonds, von Stiftungen und Gemeinden sowie Eigenleistungen von BirdLife Zürich und seinen Naturschutzvereinen.